7 Jahre elektronenrad – ein bisschen Zeitgeist, auf deutsch

Ok Freunde, Zeit für Klartext. Das Projekt elektronenrad steckt im siebten Jahr und hat damit was die jüngere Geschichte der ebikes betrifft wohl einiges, wenn nicht alles, miterlebt. Zuerst nochmal kurz die Zusammenfassung was ‘elektronenrad’ ist und wie die Idee 2006 entstand. Diese Aktion ist kein _Marketing_, _kein geschaeftsmodell_ und _keine Werbebude_. Es geht eigentlich überhaupt nicht um Elektrofahrräder! Die Bikes sind eine Konsequenz die entstehen können wenn die Grundidee erst mal verstanden wurde.
Dieses Projekt war und ist von Anfang an dafür da,

* dass _IHR_ über die Sache nachdenkt
* dass _IHR_ wisst was ihr tut
* dass _IHR_ selber wisst was an eurem Fahrzeug dran ist.
* und dass _IHR_ entscheidet was in Zukunft auf unseren Straßen zu sehen ist

2006 war ruhe im elektromobilen Dorf, in der Welt der Fortbewegung gab es schlicht keine Aktivität. Jenseits von ein paar kleinst Projekte, Idealisten und ein bisschen Seniorenbedarf war einfach nur tote Hose.

- “du faule Sau!”

Die Zivilisation der die meisten hier auf dem Kontinent ausgesetzt waren hatte gerade noch damit zu tun den iPod und die dritte große Expansion des Internet zu verdauen – und hat sich abzocken lassen. Klassisch, so wie es immer läuft, ein Hype, ein Trend, dahinter das Geschäftsmodell und schon geht der “lemming run” los. Kaputte Onlineshops, kranke Dateiformate, DRM, Abmahnmafia, waren die Folge, prost! Das haben wir klasse hin bekommen, genauer: tierisch vergeigt. Genau hier entstand die Grundlage für das Projekt elektronenrad, während zu der Zeit, wie auch heute, die Industrie die Entwicklung von Hardware und Technik hierzulande vollkommen verschlafen hat war die Technik längst in China im Massen Einsatz, erprobt und _dort_ verfügbar. Ich wollte auf der Basis der mittlerweile klassischen opensource Entwicklung eine Plattform schaffen die a) frei und offen agiert b) ehrliche und aufgeklärt mit den technischen Grundlagen hantiert und c) auch die Hardware mit einschließt.

Das Gegenmodell kam immer aus der Automobil Industrie, wo Forschung und Entwicklung stets im geheimen stattfindet. Gar noch weiter, Fehlschläge in der Forschung erst recht geheim gehalten werden – auf das die Konkurrenz die gleichen Fehler noch einmal mache und dafür bezahlt. – Ist nicht mehr, nicht mit uns.
Genau wie die vollkommen verkorkste Patentwelt auch, ist dieses Schema für eine Zivilisation wie unsere, nicht mehr tragbar, und nur durch den Protektionismus einer radikalen und kriegerischen Wirschaftspolitik zu deckeln. So war abzusehen, dass es mehr ebikes auf den verstopften Straßen braucht, so war abzusehen, dass
das klassische Spiel der Industrie wieder anfangen wird und auch diesen Bereich einem Konsum orientiertem Verbraucher zu erschließen, mit allen Folgen und dem ganzen Shitstorm. Daher war für elektronenrad von Anfang an der Ansatz – Ideen veröffentlichen, – Konzepte frei dokumentieren, – Fehlschläge und Probleme weitersagen. Es sollte schief gehen und es sollte schlimmer kommen, wie für jeden toll trunkene Ansatz von Idealismus hat die Realität noch einiges drauf zu legen.

- “Verkauft ihr auch komplette Fahrräder?”

2007/2008 war das Thema ebike so jung, dass wenn man über ebikes sprach man so richtig beispielhaft erleben konnte zu was für einer vernagelten und naiven Konsumkröte die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten Verbrauchermarkt heran gezüchtet wurde. Zum einen stellte sich der klassische Effekt des einzelnen kleinen Fernsehfachhändlers aus den längst vergangen Jahrzehnten des letzten Jahrtausends ein – Also der Fall: ein interessierter lässt sich 2 Stunden lang “beraten” und kauft dann bei Media Markt.
Zum anderen die vollständige Blockade der Interessierten zum Thema freie Entwicklung. Gebetsmühlenartig konnte ich den Text wiederholen: elektronenrad ist nur ganz kleiner Konzept Rahmen, wie oben beschrieben nur die Idee, sonst nicht viel mehr. Die Projekte, Fahrzeuge und Bewegungen entsteht _außerhalb_ davon!
Im kleinsten gibt es hier bei elektronenrad in Berlin den Zugang zu einer Werkstatt, den Erfahrungen die wir gemacht haben und den Zugang zu Hardware mit eher prototypischem Charakter. Wieder ein kurzes Beispiel zwischendurch, prototypischer Charakter meint hier den China Schrott den jetzt, ein paar Jahre später, alle möglichen Buden an ihren ebike Kleinserien verbauen und Containerweise via ebay in die Bastelkeller des Landes dumpen. Ein vollkommen kafkaeske Situation bot sich hier und da bei den Interessierten, Schizophrenie zwischen klassischen Consumer Ansprüche und dem schlucken von Schrott als vollwertiges Produkt war die folge.

- “auf ebay gibts die aber 100 Euro billiger”

Genug des Rants zum Verbraucher, ich war bei elektronenrad und der real existierenden Werkstatt im kleinen Berlin, Leute davon braucht es tausende sonst läuft das Konzept nicht! Auch diese Werkstatt und die Umsetzung derselben hat nur prototypischen Charakter und so bleibt die Idee, dass was der Hardware Schrott ist wenn sie nicht weiter verbreitet wird. Thema wieder China, nur durch ein eng vermaschtes Netz aus Werkstätten und unabhängigen, schlauen, Mechanikern und Technikern, die die Möglichkeit haben an Teile ran zukommen ist es dort möglich die Millionen von e-bike und -Fahrzeuge am laufen zu halten. Ein echtes Netz aus echten Werkstätten und Menschen! Nicht den Network Bullshit der die letzten Jahre durch die diversen zentralistischen Plattformen im Internet getrieben wurde. Geht etwas kaputt rollt man in die nächste Schrauberbude an der Ecke, bekommt direkt Hilfe oder erhält ein Leihfahrzeug während der Reparatur. Frei und unabhängig von einer Vertriebsplattform einem Ladesystem oder einem Vertragshändler. Wie lange dauert es noch bis sie die Steuergeräte verplomben, die Bussysteme nur unter Lizenz raus geben und die Diagnosegeräte nur noch mit Knebelverträgen verleihen.

Mann! Leute! Wenn so ein bastel elektrobike, ob nun selber hergestellt oder gekauft, schenkt sich gerade nichts, erst mal funktioniert dann gewöhnen sich die Leute daran! Dann stellen sie ihr Nutzungsverhalten wirklich um, lassen mal das Auto stehen, pfeifen auf ÖPNV und sind wirklich begeisterte E-Biker! Und wenn das Bike dann mal nicht tut? – dann ist Drama, wie üblich, wie früher: Auto in der Werkstatt – der Tag ist gelaufen. und nun? Niemand ist da, Fahrradläden haben sich als vollständig planlos zum Thema Elektrotechnik erwiesen, die Fachkraft die es eigentlich bräuchte ist unbezahlbar, der kleine Einzelkämpfer der das Bike verklopft hat im Urlaub usw. Es klappt so nicht, nicht mit den eBikes und der Tag an dem der ADAC seine flotte mit Fahrradträgern ausrüstet um die Reste der Bikes nach einem Gewitter einzusammeln ist wohl eher weit. – Das klassische Fachhändler plus Rahmenvertrags Modell funktioniert im kleinen nicht. In einer Branche und zu einem Entwicklungszeitpunkt der in etwa dem Volumen der Entwicklungskosten eines VW Phaeton Außenspiegels entspricht, wie die der Ebike Szene, erst recht nicht.

- “Nachhaltigkeit ist für unser Unternehmen an erster Stelle.”

Blam, so und jetzt geht es erst los 2009/2010. Was bei allen guten Geistern soll den bitte mich überhaupt in die Lage versetzen den Wahnsinn zu beschreiben der seit dem passiert ist und mich dazu zu bekommen ihn auch noch nieder zu schreiben? Booom, da waren sie Thema 2009 ging es auf den ersten Veranstaltungen los mit dem ebike Geschwätz. Ab 2010 brach ein nicht mehr zu ertragender Marketing und Lobby shitstorm los! Mit extra Pedelec Parcours und dedizierter sub fach messe, mit passendem Ökostromvertrag und grüner Bio Welle wurde auf den Busch gehauen was das Zeug hält. Aus allen Löchern kamen sie gekrochen, Verbände, Vertriebsgruppen, ja so gar Börsengang. Selten passiert es das ein Thema nicht technisch sondern in der praktischen Anwendung so sehr in den Kinderschuhen steckte wie die elektro Fahrräder und dann plötzlich wie aus dem nichts ein Hype von Vertriebs Vollpfosten losgetreten wird der seines gleichen sucht. Weitreichender Bullshit wurde erzählt, technischer Sachverstand und frühe Konzeptprobleme zwischen Akku und Ladestation wurden vollkommen ignoriert und wir hatten innerhalb von nur einem Jahr mehr Dampfplauderer die über Geschäftsmodelle philosophierten als überhaupt ebikes auf der Straße waren! Es wurde sehr viel mehr Dampf produziert als es überhaupt Fahrer und Interessierte gab. Die Grundlagen dafür mag ich mir gar nicht ausmalen, ein Ansatz geht so: Die klassische Fahrrad Industrie lebt von angesägten Teilen niederer Qualität, selbst Marken Hersteller und Anbieter von sündhaft teurem Profi Sportequipment nehmen sich da nichts aus. Verglichen mit diversen anderen Branchen ist die Fahrradbranche ein wahrer graus und tritt das weitreichende Thema Rad auch schon ohne das E- wie das bildhafte Stiefkind mit Füßen. Der Teilegroßhandel ist so altbacken wie das Handwerk des Buchsetzers und über den kleinen Fahrradfachhandel, den wir eigentlich wie oben beschrieben als ein freies und offenes Netz brauchen, möchte ich hier an dieser Stelle kein Wort verlieren, so sehr treibt es mir den ekel, ob der ein oder anderen Begebenheit in diesen kleinbürgerlichen Oasen, hoch.
Auf diesem Sumpf gedeiht es natürlich prächtig. Eine wehrlose und labile Branche wie der Fahrrad Fachhandel ist die perfekte Grundlage, sie musste nur mit dem Dung der E-Bike Marketing Hansel angereichert werden und schon spross das aberwitzige Schauspiel das wir gerade zum Thema e-Bikes erleben.

- “It’s not about the bike”

Auch hier wieder, “it’s not about the bike” hätte ich wohl von Anfang an größer unter elektronenrad.de schreiben sollen, Jahre flüchtete ich mich in die Ironie und sagte immer wieder im Scherz, “vergiss die Fahrrad Branche das nächste mal baue ich Elektromotoren an Kinderwägen oder Bierfässer, aber bitte bleibt mir mit den Fahrrädern weg.” Ein weiterer wichtiger Punkt für elektronenrad, das es bei Fahrrädern raus gekommen ist hat lediglich einen kleinen rechtlichen Hintergrund
es geht wirklich nicht um das Rad als solches, sondern die Möglichkeit zur freien und selbstbestimmten Fortbewegung.

So Freunde Endspurt mir geht hier die Puste aus und ich hab erst mal raus was vor die Tür musste. Versucht euch auf die neue Runde in 2012 einzustellen, fahrende Litfasäulen, Ökogewäsch und der Müll der die letzten zwei, drei Jahre hoch kam wird auch in diesem Jahr nichts am Konzept ändern. Hier bleibt es was es ist – Alternativ.

2 Responses to “7 Jahre elektronenrad – ein bisschen Zeitgeist, auf deutsch”

  1. floc Says:

    1600 Wörter und ich bin so schlau wie vorher. Ich versuch die Masche mit der Zusammenfassung:

    Du bist mit der eBike Situation unzufrieden weil

    zu wenig Open Source eBike Forschung
    zu wenig Schrauber unter den eBike Käufern
    zu wenig eBike Läden
    die eBike Technik ist gut genug, die Ladestation Konzepte nicht
    die Fahrradbranche ist altmodisch

    Deswegen willst Du mit dem was man heute unter einem eBike versteht nichts zu tun haben.

    Schlag mich, aber so hab ichs verstanden.

  2. Admin Says:

    jo sind doch weit ueber 90% des inhaltes sauber angekommen .)
    unzufrieden wuerde ich evtl durch frustriert ersetzen.
    der rest steht so.

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